Leidenschaften


Nein, dieser Titel hat nichts damit zu tun, wie frau/man Leiden schafft oder vom Leiden geschafft wird - es ist auch keine Verballhornung von Leyden (NL) schaffen - wobei sich auch hier wieder die Frage nach dem Begriff "schaffen" stellt: Schaffen im Sinne von erschaffen oder eher so nach dem Motto "Ich habe es geschafft" (Frage am Rande: Wie schafft frau/man eine Stadt?) oder vielleicht "Sie/Es/Er hat mich geschafft?" Um aufklärende Einträge in's GB wird dringlichst gebeten,....)


Freunde:
Für mich ein Begriff mit sehr hoher Bedeutung.
Ja, es gibt sie zu meinem Erstaunen noch, diese sturmerprobten, leidensfähigen Menschen, die mit meinen Launen (oder positiv ausgedrückt Stimmungsschwankungen) umgehen können und klaglos (klaglos heisst nicht kritiklos!!) zu mir stehen. An die vier vielleicht sogar fünf existierenden, sofern sie dies jemals lesen: Ich habe bewusst darauf verzichtet, eure Namen hier zu erwähnen. Im Rahmen des Freundesschutzprogrammes der Bundesregierung muss ich euch davor bewahren, zum Anlaufpunkt für ähnliche Typen wie ich einer bin zu werden, denn dies würde bei mir einen spontanen und unwiderstehlichen Fluchtimpuls auslösen - frei nach dem Motto: Bei dem Club, der mich als Mitglied akzeptiert, würde ich nicht Mitglied werden.....


Ansonsten:und


Nein, ein wenig mehr als das gibt es schon noch....


Neben den erwähnten Freunden und den noch nicht erwähnten Frauen gibt es zwei starke Leidenschaften:

 

Ich will damit weder angeben noch mich als Lektor profilieren. Da Du Dich jedoch bis zu diesem Punkt durchgekämpft hast, nehme ich an, dass Du auch ein rudimentäres Interesse an mir hast und deshalb erzähle ich Dir auch etwas über diese Leidenschaft: Ich lese wirklich gerne. OK, ist nach dieser Ankündigung auch keine bahnbrechende Erkenntnis. Jetzt stellt sich nur noch die Frage, was dieser liebens-, begehrens- und sonstewerte Grey (jetzt ohne die verdammt kneifenden Bindestriche rechts und links der Hüfte) denn gerne liest? Richtig, Bücher. Falsch, keine (obwohl meine Ex mal behauptet hat, ich würde in einer bestimmten Situation, die näher zu beschreiben mir der gute (sofern vorhanden) Geschmack verbietet, auch diese lesen) Telefonbücher.
Ich mag (und damit auch zähle ich auch gleichzeitig die Lieblingsbücher dieser Autoren auf):


Heinrich Böll: Die verlorene Ehre der Katharina Blum
Bertolt Brecht: Pauken und Trompeten
Friedrich Dürrenmatt: Der Besuch der alten Dame
Günter Grass: Die Rättin
Hermann Hesse: Schwer, hier eine Entscheidung zu treffen. Ein Versuch: Kinderseele, Narziss und Goldmund, Der Steppenwolf
Ulrich Plenzdorf: Die neuen Leiden des jungen W., Vater, Mutter, Mörderkind
Robert Schneider: Dreck
Kurt Tucholsky: Unmöglich, eine Auswahl zu treffen. Also fast alles, was er zwischen 1907 und 1932 geschrieben hat.
Peter Ustinov: Der Alte Mann und Mr. Smith
Martin Walser: Auch schwer. Auch hier nur der Versuch (kann sich wieder ändern:) Fink's Krieg, Ohne einander
Robert Wich: Auch hier das Gesamtwerk dieses begnadeten Philosophen


Aufgefallen? Es sind ausschliesslich deutschsprachige Autoren, die ich hier genannt habe. Dies kommt daher, dass ich stolz darauf bin, ein Deutscher zu sein! (Das war so ziemlich der grösste Schwachsinn, den ich je geschrieben habe. Wenn mir etwas völlig fehlt, dann ist es Nationalstolz!) Nein, der Grund ist einfach der, dass ich das Original lesen möchte und nicht von der mehr oder weniger guten Qualität des Übersetzers beeinflusst werden will. Ein Beispiel: "In-schwimmen-zwei-Vögel" (das Buch heisst wirklich so!) von Flann o'Brien gibt es in zwei Übersetzungen: Eine von Josef-guck-in-die-Luft oder wie auch immer und eine von Harry Rowohlt. Ich habe zuerst die Josef-Version gelesen und nach ca. 50 Seiten das Buch als langweilig in die Ecke gelegt, bei irgendeinem der Umzüge ist es den Weg alles Irdischen gegangen. Hingegen die Übersetzung von Rowohlt's Harry: Hinreissend (oder hirnzerreissend, wie Du es auch immer interpretieren möchtest.....).


Also - zusätzlich zu den erwähnten Teutonentitanen mag ich noch: Kafka, Musil, o'Brien (eben schon erwähnt), Sartre, Miller, Eco, Noteboom, Puig, Adams, Wilde, Shaw, Bukowsky-das-Ferkel, Nin und z.B. Basho - und wenn mir jefraud oder jemand sagt, in welchem Stil Basho schreibt, dann werde ich mich routiniert vor sie/es/ihm in den Staub werfen - kotauen, quasi.....


Die vierte Leidenschaft ist die - und nun folgt das, was Du wahrscheinlich schon befürchtet und mit schreckensbleichem Gesicht erwartet hast: Ein ganz knapp gehaltener Einblick in mein musikalisches Innenleben.


Ich mag: Gregorianische Gesänge, Bach und Beethoven, Pink Floyd über alles, alte Rolling Stones wie z.B. "I can't get no desinfection", Tangerine Dream, Dixie, Gospel und Soul, pechschwarzen Blues, keltische Folklore, je nach Stimmung auch mal black oder death metal wie z.B. von My Dying Bride, Craddle of Filth und anderen, Lieder aus den 60ern und frühen 70ern (jaja, ich weiss, altersentsprechend.....), Pipes and Drums, Peter Frampton, a-capella-Musik, In Extremo, irische Sauflieder, Ulla Meinecke, Kodo-Trommler, Rory Gallagher, Konstantin Wecker, die etwas älteren Songs von Reinhard Mey, Dire Straits, Muddy Waters, Cream und/oder Eric Clapton, Zarah Leander, Rick Wakeman, Garry Moore, Them, Joe Cocker, Runrig, Edith Piaf, Simon & Garfunkel, R&B allgemein, Marianne Faithful, BAP, John Lee Hooker und noch so drei, vier andere......( es könnten unter Umständen sogar fünf sein....)